Der Stein des Anstosses

Vor einigen Tagen kam ich mit dem Rad an einer von diesen Stellen vorbei, an denen der Radweg – jedenfalls aus meiner unbedeutenden Sicht heraus – vollkommen unnötigerweise und deshalb diskriminierend versperrt war. Und an diesem Tag parkte direkt daneben ein Polizeiauto.

Einfach ein Haufen Dreck? Aber nein!

Also habe ich angehalten, an die Scheibe des Polizeifahrzeugs geklopft und die Beamtin im Fahrzeug darauf angesprochen. Die Reaktion war nicht ganz die erhoffte, wenngleich doch die erwartete: Mir wurde in Wort („Das ist jetzt nicht Ihr Ernst“) und Gestik (ostentatives Augenrollen) deutlich zu verstehen gegeben, dass ich ja wohl nicht alle Latten am Zaun hätte.

Ich beharrte dann aber doch noch ein bisschen darauf, dass dieser Haufen Sand und Steine ja nun nicht unbedingt auf dem Radweg liegen müsse, es also doch immerhin die Möglichkeit gäbe, das woanders abzulagern. Langsam begann die Dame in grün ernsthaft säuerlich zu werden… Kurz und gut: Das Ganze gipfelte in der interessanten Aussage der Beamtin: Das ist eine offizielle Baustelle und zuständig ist das Tiefbauamt. Bums.

Eine offizielle Baustelle. Ehrlich!

Ach so: Das ist eine offizielle Baustelle. Wie konnte ich das nur übersehen? Ist doch sonnenklar, weil da ja Sachen rumliegen. Da sieht man mal wieder, wieso Laien wie ich besser die Schnauze halten sollten: Weil wir einfach so saumäßig blöde sind und die Staatsgewalt von den wirklich wichtigen Sachen (in diesem Fall: Rumsitzen im Auto, aber sicher in staatstragender Mission) abhalten.

Aber mal im Ernst: Mir ist die relative Nichtigkeit dieses kleinen Dreckhaufens (die „offizielle Baustelle“ ist natürlich gemeint!) durchaus bewusst. Andererseits zeigt sich halt in den kleinen Dingen durchaus der Geist des Gesamten oder wie es unser Aller herrliche Kanzlerin gerade noch auf Wahlplakate drucken ließ: «Das große Ganze beginnt mit einem Ohr für die kleinen Dinge». Oder eben nicht.

Denn in der Wirklichkeit ist es eben doch viel eher so, wie Michael Jackson es schon vor vielen Jahren gesungen hat:
„All I want to say is they don’t really care about us“.

NACHTRAG im November

Mittlerweile hat diese wunderbare, offizielle Baustelle ein Eigenleben entwickelt und wächst auf wundersame Weise immer weiter auf der Länge des Radwegs. Und alle Radfahrer müssen hier weiterhin den Gehweg benutzen.

Aber: Wenn wir nur lange genug warten, wer weiß vielleicht wird es ja ein Flughafen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.