Gewalt im Straßenverkehr I

Ein Bekannter wird auf offener Straße verprügelt, weil er es gewagt hat, einem Fahrzeuglenker, das mit stark überhöhter Geschwindigkeit durch eine Tempo 30 Zone fährt, zu bedeuten, er solle langsamer fahren.

Eine Nachbarin wird beim Überqueren der Straße von einem Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit erfasst und schwer verletzt. Schwer verletzt heißt, dass es fraglich ist, ob sie jemals wieder richtig wird gehen können.

Eine Freundin wird als „Schlampe“ und „Votze“ beschimpft, weil Sie es wagt einen Mann, der auf dem Radweg parkt auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

Eine Yogalehrerin trägt von der Begegnung mit einer sich öffnenden Autotür einen komplizierten Bruch an der Hand davon.

Ein Kollege verliert nach einer solchen Begegnung seinen Geschmackssinn.

Ein Transporterfahrer schreit mich durchs offenen Fenster an, dass er mich „kapput macht“ weil ich auf der Umweltspur Rad fahre, auf der ich fahren darf, er aber nicht.

Auf dem Weg mit meiner Tochter zur Schule spende ich einem Jungen Trost, der von einer rechtsabbiegenden Autofahrerin angefahren wurde und mit gebrochenem Bein auf dem Radweg liegt, weil die Dame es wohl eilig hatte.

Ein Kollege wird an einem Zebrastreifen in einer Tempo-30 Zone von einem heranrasenden Fahrzeug fast überfahren und kann sich nur durch einen Sprung retten. Eine Anzeige blieb bisher folgenlos.

Ein Taxifahrer rast mit gut 70 Sachen auf einen Zebrastreifen zu und bremst auch nicht obwohl er mich den Zebrastreifen von der anderen Straßenseite überqueren sehen muss.

Das ist eine kleine, in 5 Minuten heruntergeschrieben Auswahl der täglichen Gewalt im Straßenkampf, den ich persönlich bzw. in meinem persönlichen Umfeld in den letzten 12 Monaten erlebt habe.

Diese Begebenheiten wären in ihrer Folgenlosigkeit für die Gewalttäter, Beleidiger und Bedroher in keinem anderen gesellschaftlichen Kontext denkbar.

Fast alle diese Begebenheiten werden für die Gewalttäter, Beleidiger und Bedroher keine ernsthaften Konsequenzen haben, weil es weiten Teilen von Polizei, Justiz und Politik einfach komplett egal ist, solange der Wirtschaftsfaktor „Auto“ nicht beeinträchtigt wird.

Ach ja: Da fällt unserem Verkehrsminister auch gleich etwas be Scheuer tes zu Verkehrssicherheit ein, um nur ja Grünphasen für Fußgänger nicht verbessern zu müssen: „Für ältere Fußgänger/innen werden Maßnahmen angeraten, die vor allem die physischen Voraussetzungen für sicheres Queren trainieren bzw. aufrechterhalten und zudem die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit verbessern.“

Noch Fragen?

Eine Antwort auf „Gewalt im Straßenverkehr I“

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